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Das Holzhandwerk und seine gegenwärtige Situation

Da ich immer wieder gefragt werde, weshalb es nur noch wenig Drechsler und Schnitzer auf den Mittelaltermärkten gibt, will ich hier eine Erklärung aus meinen eigenen Erfahrungen heraus versuchen:

Um ein Holzschmuckst√ľck aus einem St√ľck Rohholz herzustellen, entsteht jeweils eine sogenannte Richtzeit, in welcher das Holzst√ľck auf eine gewisse Gr√∂√üe und Form gebracht werden muss, so dass man es anschlie√üend schleifen kann. Dies erfordert mehrere S√§geschritte, die naturgem√§√ü eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Anschlie√üend wird das Holzst√ľck grob geschliffen, immer wieder begutachtet, in der Form korrigiert und schlie√ülich in drei bis 4 G√§ngen feingeschliffen. Zu guterletzt wird eine Aufh√§ngung angebracht und eine abschlie√üende √Ėlung vorgenommen. Bei Schmuckst√ľcken die aus Astscheiben hergestellt werden ist zudem eine l√§ngere Trockenzeit n√∂tig, so dass sich erst sp√§ter herausstellt, welche Holzscheiben Risse ausgebildet haben. Die √ľbrig gebliebenen Scheiben werden dann nach Attraktivit√§t begutachtet und das sch√∂nste Schmuckst√ľck ausgew√§hlt. In der Regel bleibt daher lediglich eine von acht ges√§gten Astscheiben √ľbrig, die dann zu einem Schmuckst√ľck verarbeitet wird.

Deutlich wird der relativ hohe Zeit- und Energieaufwand f√ľr die Herstellung eines Holzschmuckst√ľcks durch den Vergleich mit der Herstellung eines Schmuckst√ľcks aus Bestecken. Da das hierzu verwendete Besteck relativ g√ľnstig zu erstehen ist und bereits alle wesentlichen Eigenschaften wie Form, Material, Farbe und Verzierung aufweist, sind hier nur 4 kurze Arbeitsschritte notwendig um z.B. einen Anh√§nger einen Ring oder ein Armband aus Besteck anzufertigen. Das vorhandene Besteck wird dazu mit einer Bei√üzange entsprechend gek√ľrzt, der entstandene Grat etwas abgeschliffen, eine Aufh√§ngung oder ein Ring mit einer Biegezange oder einer Hilfsvorrichtung gebogen. Anschlie√üend wird das Schmuckst√ľck einmal feingeschliffen - fertig ist das Schmuckst√ľck.

Der Vergleich f√ľr den Zeitaufwand f√ľr die Anfertigung eines Holzschmuckst√ľcks und eines Besteckschmucks liegt in etwa bei 25 Minuten zu 5 Minuten. F√ľr einen Holzring ist ein Verkaufspreis von 5 bis 10 Euro zu erzielen, f√ľr einen Besteckring werden in der Regel 10 bis 20 Euro bezahlt. Das gleiche Verh√§ltnis gilt in etwa f√ľr alle einfachen Holzschmuck und Besteckschmuck Anfertigungen, so dass die effektive Rendite f√ľr die Anfertigung eines Holzschmucks und eines einfachen Besteckschmucks ein Verh√§ltnis von 1:10 aufweist. Es ist daher wichtig, die Anfertigung von einfachen Schmuckst√ľcken aus Besteck nicht in die Kategorie des Kunsthandwerks einzuordnen, da ein fertiges Besteckschmuckst√ľck zu 3/4 aus einer Vorleistung einer 150 j√§hrigen europ√§ische Besteckmanufaktur resultiert. Daher grenzt es an eine schamlose Vermessenheit, wenn ein Besteckschmuck-Macher - wie bereits gesechehen ! - ein Marktmonopol auf gr√∂√üeren Mittelalterm√§rkten durchsetzt, da sich dieses Monopol notwendig auch auf die gesamte geleistete Arbeit einer 150 j√§hrigen europ√§ischen Besteckkultur erstreckt. Dies gilt vor allem f√ľr alle einfacheren Besteckschmuckarbeiten, wie Ringe, Anh√§nger und Armb√§nder f√ľr die kein hoher Fertigungsaufwand entsteht und die ‚Äúen masse‚ÄĚ hergestellt werden k√∂nnen.

Ein anderer Grund f√ľr die Aufgabe vieler Holz-Kunsthandwerker f√ľr das Anbieten ihrer Werke auf Mittelalterm√§rkten ist das gro√üe Angebot einer Massenproduktion von Holzkunsthandwerk aus Billiglohnl√§ndern, die sich auf die allgemeinen Preisvorstellungen Aller niederschlagen und mitunter ein v√∂lliges Unverst√§ndnis f√ľr die Preisgestaltung eines deutschen Kunsthandwerkers bei den Marktbesuchern zur Folge haben. Da der Stundenlohn z.B. in Bali bei 30 bis 60 Cent f√ľr den Holz-Kunsthandwerker liegt, ist der deutsche Holzkunsthandwerker, der mit seiner Arbeit seinen Lebensunterhalt ganz oder teilweise bestreiten will oder muss darauf angewiesen, dass eine hinreichende Zahl von Marktbesuchern die Bedingungen des deutschen Holzkunsthandwerks in einer angemessenen Weise einsch√§tzen kann. Da dies in der Regel nicht der Fall ist, ist der Holz-Kunsthandwerker dazu gezwungen, auch andere Holzprodukte, Streuartikel und einfachere Gestaltungsarbeiten anzubieten, um durch eine dar√ľber m√∂glich werdende Mischkalkulation seine eigenen Arbeiten g√ľnstiger feilbieten zu k√∂nnen.

Da ich in den letzten 15 Jahren meinen Holzstand durch besondere Kombinationen von Holz mit verschiedenen Materialien schrittweise ausgereift habe und heute viele Kombinationen von Silber, Bernstein, Muscheln, Horn, Knochen, Leder und Metallen mit Holz am Stand anbieten kann, war es mir m√∂glich mich als einer von wenigen hauptberuflichen Holzkunsthandwerkern auf den Mittelalterm√§rkten zu halten. Dazu war √ľber lange Strecken eine strenge Selbstdisziplin und eine hohe Risikobereitschaft notwendig, jene H√ľrden, an denen viele mir bekannte Holzhandwerker in den letzten Jahren gescheitert sind.

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